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Englische Version    Konzert Review

90% meiner Freunde meinten: "Mensch, das ist so unglaublich, das musst Du auf Deine Site bringen." Erst war ich unsicher. Das würde doch klingen, wie eine Triff-Deinen-Star Geschichte. Und genau das wollte ich nicht. Bitte... Ich bin doch kein sabbernder Teenie ! Aber zugegeben - Ein bisschen verrückt klingt das Ganze schon...

The Big Bump Theory
22. Juni 2005

Einleitung

Als ich 2003 mit waite4you!!! begann, gab es viele Emails zu schreiben. Die Erlaubnis für dies, die Erlaubnis für das. Auch Ricky Phillips war davon nicht verschont geblieben. Seine Antwort fiel zwar nicht so aus, wie ich es mir erhofft hatte, aber umso überraschter war ich, als er vier Monate später unerwartet nachfragte: "Petra, wie läuft´s mit Deiner Website?" Excuse Me? Ein Musiker, so glaubt man, hat doch weiß Gott Wichtigeres zu tun, als sich für die Website eines Fans zu interessieren, die ihn noch dazu nicht wirklich betrifft. Oder? Nun hat Mr. Phillips einen tadellosen Ruf und seine Freundlichkeit hat mich tief beeindruckt.

Im Februar diesen Jahres, also anderthalb Jahre später, musste ich ihn wieder nerven. Es ging um zwei Sound Samples, King Of Fools und Who Is This Talking, die auf seinem Projekt / CD Elements of Friction (sehr zu empfehlen, übrigens!) erschienen waren und die ich deshalb in der Covers & Others Sektion aufnehmen wollte. Diesmal hatte mich Ricky´s Antwort fast umgehauen, denn er meinte: "...klar, warum nicht?  Ich bin im Juni in Deutschland mit den STYX. Ich hoffe, Dich da zu sehen." Zwei Mausklicks später war klar, dass es die Jahrhunderthalle sein würde, was bedeutete, dass ich quasi hinlaufen könnte, also... "Cool! Ich werde da sein!"
Ihr müsst wissen, von Anfang an (1989) war ich ein großer Fan von Bad English, hatte aber leider nie die Gelegenheit gehabt, sie live zu sehen, da sie sich ja 1991 schon wieder getrennt hatten. 2001 hatte ich John Waite in Clarkston / Michigan live erlebt, er war mit Peter Frampton und Journey auf Tour gewesen. Eine großartige Gelegenheit also, auch Jonathan Cain und Deen Castronovo zu sehen. Und diesmal sollte es Ricky Phillips in Deutschland sein. Die STYX, naja... wie ausführlich in der Konzertbeschreibung geschildert, die haben mich da noch wenig interessiert...
Soviel zur Einleitung.

Die Story

Als ich am Tag vor dem Konzert gegen neun Uhr Morgens von der Arbeit kam, fiel mir vor dem Lindner Congress Hotel in Frankfurt / Höchst ein riesiger, grauer Bus mit abgedunkelten Fensterscheiben auf. Das wird doch nicht der STYX Bus sein? Ich dreh´ mich noch mal danach um, kann´s mir aber eigentlich nicht vorstellen und krame meinen Hausschlüssel raus. Genau, das Lindner Congress Hotel steht quasi vor meiner Haustür, nur ein paar Schritte entfernt.

Am selben Abend war ich mit meinem Mann Michi und ein paar Freunden am Schlossplatz in Höchst verabredet. (Photo Höchster Schloss)

Photo Michael Meier

Der Höchster Schlossplatz - ein Kopfsteingepflasterter, großer Platz in der Höchster Altstadt, mit Schloss, Burggraben, alter Stadtmauer, Fachwerkhäusern, einem Brunnen und ganz wichtig - drei großen Restaurants/Kneipen, wo man super draußen sitzen kann. Zu Fuß etwa 10 Minuten. Der Weg hintenrum durch den Park ist zwar der Schönere, aber da ich mal wieder viel zu spät dran war, entschloss ich mich vornerum zu gehen. Und dieser Weg führt direkt am Lindner Congress Hotel vorbei. (Eigentlich führt jeder Weg am Lindner vorbei, solange man den Weg nach Höchst rauf einschlägt.) Muss dazusagen, dass ich bis dahin dem STYX-Konzert noch relativ gelassen entgegen gesehen habe. Ich hatte keine großen Erwartungen.
Wie sich sowas am Ende auswirken kann, könnt Ihr der Konzert Review entnehmen...

Als ich das Hotel passierte, stand der Bus immer noch da. Jetzt war ich mir doch ziemlich sicher, dass es der STYX Bus sein musste und ich nahm die Sonnenbrille ab und hielt instinktiv Ausschau nach Ricky Phillips. Der war natürlich weit und breit nicht zu sehen und ich dachte mir, Mensch, wäre doch witzig, wenn der jetzt plötzlich auftauchen würde? Vor mich hin grinsend setzte ich die Brille wieder auf und blieb an der Kreuzung stehen, weil die Fußgängerampel Rot zeigte. Auf der anderen Straßenseite fiel mir ein langhaariger Kerl auf, dem die Hitze anscheinend ziemlich zu schaffen machte und ich beobachtete ihn wie er ebenfalls stehen blieb und auf Grün wartete. Das gibt´s doch nicht... Langsam nahm ich die Sonnenbrille ein zweites mal herunter, weil mir das, was hier gerade passierte, doch zu phantastisch erschien. Aber ich irrte mich nicht. Keine 20 Schritte von mir entfernt stand tatsächlich Ricky Phillips. (Hatte ich noch einen Wunsch frei und wusste es nicht?) Seine Ampel wurde grün und er schlurfte seelenruhig weiter, bis er schließlich in der Hotelbar verschwand. Und ich blöde Kuh stand nur da, mit einem Haufen Luft in der Birne und glotzte ihm hinterher...

Ich weiß nicht, wie oft meine Ampel die Farben gewechselt hat, bis ich mich endlich wieder halbwegs in der Gewalt hatte, mich langsam in Bewegung setze und immer noch versuchte, mir darüber klar zu werden, dass das eben keine Erscheinung war. Und während ich weiterging, hatte ich einen inneren Kampf auszufechten: Mensch, geh ihm doch endlich hinterher in die Bar! Meine Feigheit hielt mich davon ab...

Am Schlossplatz angekommen, waren Michi und meine Freunde natürlich schon längst da und lachten mich mal wieder aus: "Jaja, die am meisten Zeit haben, kommen immer zu spät..." Ich setzte mich und erzählte ihnen, was mir grade passiert war. Anke, meine Freundin, die mit solchen Dingen eigentlich nichts am Hut hat... - Ricky Phillips? Wer ist eigentlich Ricky Phillips? - ...sprach aus, was ich dachte: "Mensch, bist Du blöd. Du bist doch sonst auch nicht auf den Mund gefallen." Die Jungs machten natürlich Witze, allen voran mein eigener Gatte, der mich mal wieder meiner Vorliebe wegen für langhaarige Männer aufzog und meine Beteuerungen, dass es doch hier gar nicht um langhaarige Männer geht, stieß auf taube Ohren. Wenigstens die Mädels zeigten etwas Mitleid. Und dann fing ich an, mich richtig, aber richtig über mich selbst zu ärgern und der Appetit war mir ohnehin vergangen. Mehr und mehr wurde mir bewusst, dass mir eine goldene Gelegenheit in den Schoss gefallen war und dass ich es versaut hatte. War ja nicht das erste Mal, dass mir durch meine Unschlüssigkeit Dinge durch die Lappen gehen und wenn es nur ein T-Shirt war, dass dann schließlich anderweitig verkauft wurde. Kommt Euch irgendwie bekannt vor? Tja, diesmal ging es aber leider nicht nur um ein abgef***tes T-Shirt, sondern darum, dass ich einen meiner Helden einfach an mir hatte vorbeirennen lassen. Naja. Der Zug war jedenfalls abgefahren. War er nicht...

Denn etwa eine halbe Stunde später kam er um die Ecke. Ricky Phillips, nicht der Zug. Zusammen mit
Todd Sucherman (Drums) und Chuck Panozzo (Gründungsmitglied von STYX ). Und ich wußte, wenn ich´s jetzt nicht packe, bin ich selber schuld. Eine dritte Chance wird es nicht geben.

Also boxte ich meiner Tischnachbarin Silvia gegen´s Bein (Sorry, Silvia, ich bin normalerweise nicht gewalttätig!) und befahl ihr, sofort und auf der Stelle aufzustehen, um mich raus zu lassen. Jetzt bloß nicht darüber nachdenken, was du sagst, und dann sprang ich dem Mann hinterher und tippte ihm auf die Schulter. (Der ist vielleicht groß...) Ich habe keine Ahnung, ob er überrascht war oder nicht, ich habe auch keine Ahnung, ob ihm sowas oft passiert und ehrlich gesagt - es war mir in dem Moment auch scheißegal. Ich meine - Hey! Vor mir stand Mr. Ricky Phillips!
Ich stellte mich als waite4you-Petra vor (Wie blöd war das, auf einer Skala zwischen 1 und 10 ?) und erwähnte seine Email vom Februar. Ich kann bis heute nicht sagen, ob in seinen Augen sowas wie Ach-Du-Bist-Das aufleuchtete, aber zumindest stellte ich befriedigt fest, dass er mich verstehen konnte... Hm. So schlecht kann mein englisch nun also doch nicht sein. Normalerweise kriege ich Skrupel, englisch zu reden, wenn mir einer gegenübersteht, der es besser kann. Und Ricky Phillips ist ganz offensichtlich einer von ihnen. Aber glaubt mir, es geht ganz gut, wenn man sein Gehirn ausschaltet... Wir schwatzten kurz über das bevorstehende Konzert und plötzlich war da auch schon mein lieber Freund Frank, hielt uns sein Handy unter die Nase und meinte: "Frag ihn doch mal, ob er was dagegen hat, wenn ich ein Photo mache." Der gute Frank... Ricky war einverstanden. Danach wünschte ich ihm alles Gute für morgen und weg war er... auf zum Restaurant nebenan.

Zurück an unserem Tisch meinte Michi: "Wieso hast Du nicht unsere Digicam genommen, Du hast sie doch immer dabei?" Oups. Das stimmt. Aber daran hatte ich einfach nicht gedacht. Michi versuchte also, mich dazu zu überreden, noch mal zu ihm rüber zu gehen, aber da hatte ich dann doch zu viele Skrupel. Zumal ich es ziemlich aufdringlich finde, jemand beim Essen zu stören. Bei uns war jedenfalls erstmal Handkäs´ mit Musik (Hessische Spezialität) und Southern Comfort (...) angesagt.

Etwa zwei (?) Stunden später machten sich die drei STYX auf den Heimweg und Michi, der inzwischen längst die Digicam rausgekramt hatte, wollte wissen wie heißt der nochmal? ("Ricky Phillips, wieso?"), dann stand er auf, rief ihn, und als die drei auf uns zukamen, deutete er auf die Kamera, dann auf mich und schickte einen fragenden Blick zu ihm hinüber. Gott, war mir das peinlich, als ich mich ein zweites mal neben meinem Lieblingskid aus Iowa wieder fand. Ich hoffte, dass es nicht so peinlich war, wie ich mich fühlte... Nichtsdestotrotz stellte Mr. Phillips sich - ganz Gentleman, der er nun mal ist - ein zweites mal zur Verfügung. Ein letzter Händedruck und er und die  STYX  Mitglieder verschwanden langsam um die Ecke.

Schlusswort

Es ist schon irgendwie komisch, wenn man weiß, dass es nur ein paar Schritte braucht, um einer Rockband über den Weg zu laufen. Du bräuchtest noch nicht einmal einen halben Tag vor dem Hotel herumhängen, um zu wissen, dass der eine oder andere irgendwann auftauchen würde. Das wäre auch gar nicht nötig gewesen, denn die STYX gehören nicht zu denen, die sich verstecken. Am anderen Morgen nämlich, wieder auf meinem nach-Hause-Weg, erwischte ich Tommy Shaw und seine Frau Jeanne beim Frühstück. (Das Lindner verfügt über einen gut einsichtigen Frühstücksraum...) Allerdings hatte ich viel zu spät die glorreiche Idee, mal ganz unverbindlich an die Scheibe zu klopfen und einfach nur zu winken. Das hätten die Beiden mir sicher nicht übel genommen. Am frühen Nachmittag desselben Tages schlenderten Todd Sucherman und ein Typ von der Roadcrew durch Höchst, am Abend dann das Konzert (Wow.... lesen!) und wenn ich am anderen Morgen eine halbe Stunde früher von der Arbeit gekommen wäre, hätte ich die Jungs vielleicht noch vor dem Hotel verabschieden können. So aber tuckerte der große, graue Tourbus an mir vorbei Richtung Autobahn. Es war das erste und das letzte Mal, dass ich nun auch den großen, weißen KANSAS Bus zu Gesicht bekommen habe. Supergeiger und Sänger Robby Steinhardt stieg gerade ein, die Türen schlossen sich hinter ihm und dann folgten sie den STYX nach Bonn.

 

Photo Michael Meier

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