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STYX / KANSAS Jahrhunderthalle Frankfurt / Höchst 23. Juni 2005

English Review

STYX 2003

Dies ist meine allererste niedergeschriebene Konzert Review überhaupt und ich hoffe, ich kann ein bisschen was von dem rüber bringen, was sich an diesem Abend in der Jahrhunderthalle Frankfurt/Höchst ereignet hat. Ich wünschte, ich wäre früher auf die Idee einer Review gekommen und somit ein paar mehr deutschen Fans die Gelegenheit gegeben, eine großartige Show zu erleben. Eins kann ich Euch aber versprechen: Kurz wird diese Review nicht....

Als Einleitung sei erwähnt, dass ich den STYX bisher kaum Beachtung geschenkt hatte, was aber nicht heißt, dass ich sie nicht mochte. Im Gegenteil, immerhin bin ich seit ungefähr 25 Jahren in Besitz ihres umwerfenden Albums "Equinox" mit einem unschlagbaren Vokalisten namens Dennis de Young. Allerdings habe ich dieses unschlagbare Werk seit 20 Jahren nicht mehr gehört... Ja, ja, ich weiß... Irgendwann luchste dann so ein dahergelaufener Tommy Shaw meinem Dennis die Vocals ab. Unverschämtheit... Wie habe ich diesen Schönling dafür gehasst. Und meine Freundin Ulli dazu, denn ohne Rücksicht auf meine Gefühle liebte sie "Boat On The River" abgöttisch. Damit waren die STYX bei mir erstmal durch.

Wie sich herausstellte, hatte ich natürlich überhaupt keine Ahnung und ein weiterer Beweis meiner fortwährenden Ignoranz war die Tatsache, dass ich am Abend des 23. Juni 2005 entzückt war, Dennis de Young auf der Bühne erleben zu dürfen... Ob Ihr es glaubt oder nicht, ich habe Mr. de Young bis heute nie gesehen und dieser Kerl da oben klang nun mal wie Dennis de Young! Ausgerechnet Tommy Shaw war es dann, der mich eines Besseren belehrte, indem er den quietsch-fidelen, stimmgewaltigen Herrn als Lawrence Gowan vorstellte. Mann, war ich froh, dass mich keiner gehört hat, als ich kurz vorher noch überrascht "Dennis?" ausgerufen hatte... Dieser Faux Pás hat mich dann endlich dazu veranlasst, mich mit der Geschichte der STYX etwas vertraut zu machen. Doch das steht auf einem anderen Blatt. Auf diesem Blatt hier steht die Review...

Viele werden sich jetzt erstmal fragen: "Was will die denn bei einem STYX Konzert, wenn sie der Band bereits Ende der 70er abgeschworen hat?" Die Antwort ist denkbar einfach: Ricky Phillips. Ich liebte Bad English von der ersten Minute an, bis heute. Leider hatte ich nie die Gelegenheit sie live zu erleben. So sollte es an diesem Abend wenigstens Mr. Phillips sein. (Nein, ich ignoriere die BABYS in keinster Weise, es gab sie nur einfach nicht mehr, als ich anfing,mich für sie zu interessieren.)

Also, auf geht´s:
KANSAS wird zuerst auftreten. Ein wenig enttäuscht nehmen meine Begleiterin Christa und ich es hin, da wir am anderen Tag wirklich sehr früh aufstehen müssen und mit denen nun so gar nicht viel am Hut haben. "Carry On Wayward Son" ist klasse, zugegeben, "Dust in the Wind" gar unvergessen und - oh Wunder - ich kannte sogar noch zwei weitere Songs, die ich wahrscheinlich nicht gehört hätte, wäre es andersrum gelaufen. Christa und ich wären dann nämlich frühzeitig abgehauen... Was sich als Fehler herausgestellt hätte, denn KANSAS erwies sich als richtig gut! Zwar schien Sänger und Keyboarder Steve Walsh bei "Dust In The Wind" etwas übermotiviert, aber in Anbetracht dessen, dass er immerhin einen Klassiker präsentierte, auf den die Fans gewartet und den sie hoch bejubelt hatten, sei ihm verziehen. Allerdings habe ich bei weit weniger feierlichen Momenten schon weit mehr Feuerzeuge gesehen...
Sollte halb Frankfurt zu Nichtrauchern mutiert sein?

Glasklarer Sound vom allerfeinsten (Ein Hoch auf die Jahrhunderthalle! Und auf die Jungs von der Technik, natürlich) und eine perfekt aufeinander eingespielte Band ließen die ohnehin lächerlichen 60 Minuten dann doch wie im Flug vergehen, auch wenn die Aufmerksamkeit weniger auf eine mitreißende Bühnenshow als auf die Musik an sich gelenkt wurde. Auch verzichtete man auf aufwendige Bühnendekoration (Bitte! Das haben Koryphäen wie KANSAS nicht nötig!) und die großartig abgestimmte Lightshow tat ihr Übriges. Einziger Wermutstropfen: Die Bässe kamen so derb, dass es jeden Herzschrittmacher raus geblasen hätte... Fazit: KANSAS überzeugte mit überdurchschnittlich zufriedenstellender Show. Trotzdem war ich froh, als sie nach zwei (?) Zugaben die Bühne räumten.

Umbaupause.
Nebenbei bemerkt, wir sitzen 10. Reihe, Mitte. Klasse Sicht! Für richtig gute Photos allerdings zu weit weg. Zumindest für meine Ixus 40... Christa und ich beschließen, abzuwarten, wie voll es noch werden wird, um dann gegebenenfalls weiter nach unten zu gehen. Im Idealfall natürlich bis vor die Bühne. Das hätte aber vorausgesetzt, dass die STYX den Geräuschpegel um eins, zwei Nuancen runterschrauben, denn sonst wäre ich das restliche Ohrschmalz auch noch losgeworden... Es stellte sich heraus, dass es mehr STYX Fans in und um Frankfurt gibt (Ein Hoch auf die Band, scheiße für unsere Pläne...) und somit schwanden unsere Chancen auf gute Stehplätze. Überhaupt - Sitzplätze bei einem Rock-Konzert. Was soll denn das...

Licht aus, die STYX kommen...

Photo Eva B. Louis
Ricky Phillips, James Young, Tommy Shaw

Und sie kamen gewaltig!

Schon die ersten Takte des Intro erinnerten mich schmerzlich daran, dass ich immer noch nicht das 2003er Album "Cyclorama" habe auftreiben können. Muss ich am anderen Tag unbedingt nachholen... (Ich bin gescheitert. Bei den CD-Stores und selbst bei MediaMarkt ist Nachholbedarf angesagt. Oder glaubt Ihr, es macht Spaß bei brütender Hitze ohne Klima in der Karre einen Laden nach dem anderen abzuklappern, um in der Endkonsequenz mit leeren Händen dazustehen?) Die STYX stehen auf der Bühne und Gänsehaut ist angesagt. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben, das muss man erleben. Die Menge weiß es. Um 2700 Fans - wie ich mir habe sagen lassen - springen auf und die Sitzreihen sind nur noch Dekoration. (Hab´ ich doch gleich gesagt...) Zumindest hat die Band meine Gebete erhört und die Bässe auf ein annehmbares Maß reduziert. Tja, wenn eine Frau am Mischpult (mit-)wirkt, dann klappt das auch mit den Bässen...

Ich würde Euch gerne die Setlist durchgeben, aber Leute - ich bin gerade erst dabei, mich mit der Musik der STYX vertraut zu machen! Übt also bitte etwas Nachsicht. Was sie den Fans aber  - unter Anderem - mit Sicherheit präsentiert haben: "Crystal Ball", "Lorelei", "Boat On The River", "Miss America", "Too Much Time On My Hands",
"I Am The Walrus" (genau - von den Beatles), "Snowblind", "Come Sail Away" (nur geil !) "Mr. Roboto" (im Medley) , ein Stück, dass ich von Crosby, Stills, Nash zu kennen glaubte, und das - wenn ich mich recht erinnere - von
Ricky Phillips angestimmt wurde mit der wunderschönen Zeile: "Find the coast of freedom". (Es war "Find The Coast Of Freedom"...) Und das war längst noch nicht alles, wie Ihr Euch denken könnt. Zwei Stunden lang halten uns die Jungs in Atem, Zeit zum Luftholen gibt´s nicht, denn sie knallen uns dann auch noch ein 18-Song-Medley um die Ohren. War ich anfangs noch etwas betrübt, mit so wenig Fachkenntnis in diese Sache hineingestürzt zu sein, war es mir nach kürzester Zeit egal, denn - die STYX wissen, wie man Party macht!

Sauberer Live Sound, nicht ganz so klar wie bei KANSAS vielleicht, was möglicherweise aber auch an der Musik an sich gelegen haben mag. Dennoch - hier steht eine professionelle, solide, ausgezeichnete Rock-Formation auf der Bühne, Freunde, die ihr Handwerk versteht und die ihrem Ruf als First Class Live Band alle Ehre machen.
 

Photo Eva B. Louis

Keyboarder Lawrence Gowan (links) sorgt denn auch heftig für Stimmung. Ein vergnügter Wirbelwind, dessen theatralisches Gehabe mir zwar manchmal etwas  auf die Nerven geht, andererseits aber die Menge derart aufheizt, dass man spürt - es geht nicht ohne ihn. Zudem ist er eine unvergleichliche Mischung aus Humor und Virtuosität. Er shakert und flirtet, was das Zeug hält, ohne dabei auch nur einen Ton zu vergeigen; er springt um und auf seinem drehbaren Keyboard herum, hämmert dabei mit wachsender Begeisterung in die Tasten - ohne auch nur einen einzigen Anschlag zu vergeigen... Das soll aber nicht heißen, dass die restliche Band herumsteht wie Falschgeld, denn: "Mensch, die bewegen sich wenigstens..."
O-Ton Christa nach dem ersten Song, den sie begeistert bepfeift und beklatscht.
Übrigens, sind die STYX eigentlich jünger als KANSAS...? *grins*

Photo Eva B. Louis

Jedenfalls waren sie unverschämt gut drauf und meine Abneigung gegen Tommy Shaw (rechts) verpuffte denn auch augenblicklich. So ein lieber Kerl, freundlich, witzig, virtuos in allem, was er sang, sagte, spielte. Innerhalb der letzen zwei Jahre, nachdem Ricky Phillips den STYX als neuer Bassist beigetreten war, um Glen Burtnik (John Waite Fans dürfte der
Name ein Begriff sein...) zu ersetzen, hatte ich mich ein bisschen kundig gemacht und musste feststellen, dass der allgemeine Ruf Tommy´s von positiv bis mega-positiv reicht. Hat mich damals nicht weiter interessiert... Auf der Bühne dann aber, live und ohne doppelten Boden kam mir der Gedanke: Tommy Shaw muss ein Engel sein.

Auch wenn er aussieht wie ein blonder Ersatz-Jesus - Der Mann hat einfach was. Der strahlt eine ungeheure Ruhe und
Gelassenheit aus. Tommy spielt mit dem Publikum, er erzählt Geschichten (nicht zuviele), reagiert auf Zwischenrufe, bezieht die Fans ins Konzertgeschehen mit ein, macht Komplimente, die man ihm auf´s Wort glaubt, weil man spürt - er hat (immer noch) Spaß an der Sache.

Was für ein Mann!

Stellt sich da oben hin, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan! Was, zum Henker, hatte ich nur all die Jahre gegen ihn?
Dann: Chuck Panozzo. Inzwischen weiß ich auch endlich, wer das ist. Den komplimentierte Mr. Shaw nämlich irgendwann im Laufe der Show höflich auf die Bühne und die Menge tobte. Oups, war das nicht der Kerl, den ich einen Tag vorher mit Todd Sucherman und Ricky Phillips auf dem Höchster Schlossplatz gesehen habe? Ja, das ist er. Und? Warum schreien die jetzt alle so? Ein Hoch an dieser Stelle auch auf das Internet. Mr. Chuck Panozzo (und sein Bruder John, der inzwischen verstorben ist) gehört zur Urformation der STYX. Aha. So ist das also. Mein heißgeliebter Mr. Phillips gibt den Bass also weiter an Chuck und tritt mit der Gitarre höflich in den Hintergrund.

Photo Eva B. Louis

Überhaupt - Mr. Ricky Phillips. (Bass, links) Der Grund, warum ich da war. Der Mann ist sowas von gut und gehört - GottSeiDank - nicht zur klassischen Garde der Bassisten, die leicht übersehbar am rechten oder linken Bühnenrand mehr oder weniger gelangweilt an ihrem Instrument zupfen. (Leicht zu übersehen ist er sowieso schon mal gar nicht...) Er springt aber auch nicht wie ein aufgescheuchter Berserker in der Gegend herum. Nö. Muss er auch nicht. Der Mann hat einfach seine goldene Mitte gefunden und da gehört er auch hin - Mr. Phillips passt zu den STYX wie die Faust auf´s Auge. Verdammt gute Wahl!

Es sei mir verziehen, dass ich in meinem Bericht weder
Todd Sucherman (von dem leider nicht viel zu sehen war, es sei denn die fabelhafte Lightshow hat ihn ins rechte Licht gerückt), noch
James Young erwähnt habe (James Young, bitte... mal abgesehen davon, dass der blind sowieso jedes Solo hinzaubert, überlasse ich die detailierte Beschreibung seiner Fingerfertigkeit jedoch lieber denen, die sich mit sowas auskennen), aber mein Lob gilt ihnen natürlich genauso wie Lawrence Gowan, Tommy Shaw und Ricky Phillips.

Fazit:

Die STYX  rockten auf der ganzen Linie. Die Chemie innerhalb der Band stimmt und sie nehmen ihre Fans ernst. Ich meine, wirklich ernst. Sie respektieren ihr Publikum wie kaum eine andere Band, die ich bis jetzt live erleben durfte, und das sage ich nicht, weil sie am Ende der Show kleine Geschenke ins Publikum warfen. Ich meine - Bitte! Sie haben uns zwei Stunden lang in Atem gehalten, scheiß auf´s frühe Aufstehen! Ich hätte gerne die ganze Nacht hindurch mit ihnen gerockt und ich weiß genau, die restlichen 2700 Fans auch. Die STYX sind seit mehr als 30 Jahren im Geschäft und spielen (wieder) in der obersten Liga mit. Manch ein Kollege stumpft da schon mal ab und die Jüngeren - Die können noch eine Menge lernen!

Nimmt man diese brillanten STYX also als Gesamtwerk - was sie an diesem Abend mehr als eindrucksvoll bewiesen haben - erkennt man die ihnen zu Recht nachgesagte Professionalität, und die bringen sie so locker und flockig  rüber, dass man nur ungern am anderen Tag das Radio anstellt und verzweifelt den in Frankfurt ansässigen amerikanischen Sender sucht, der wenigstens einen Hauch von Classic Rock über den Äther jagt.

Also bitte, Jungs...

...Lasst uns nicht wieder fünf Jahre warten !!!

English Review


Copyright Live Photos Eva B. Loius
Auf Eva´s MusicMirror findet Ihr noch mehr Superschüsse, ihre  Konzert-Review von der Münchner Show vom
26. Juni und ein ausführliches Lawrence Gowan Porträt, und zwar hier

Herzlichen Dank, Eva, für Deine Unterstützung !!!


PPS: Inzwischen konnte ich "Cyclorama" auftreiben. (Danke, Diana M. für Deine Hilfe!)
Falls Ihr sie noch nicht habt, solltet Ihr das unbedingt nachholen.
Album Highlight: These Are The Times
Weitere Anspieltipps: Waiting For Our Time, Fields Of The Brave, Killing The Thing That You Love
...und der ganze Rest natürlich...
Übrigens - auf  Genki Desu Ka singt John Waite mit


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