1981 - JOHN WAITE - SOLO

Die letzte BABYS -Tournee durch unglückliche Umstände abgebrochen, das Ende einer grandiosen
Rock´n Roll-Band hinnehmend, kurz - einen Scherbenhaufen hinterlassend, zieht es John Waite zurück nach Hause. In Lancaster verbringt er Weihnachten im Kreise seiner Familie, und zusammen mit seiner langjährigen Freundin, die er seit dem Kunststudium kennt, kauft er ein Haus in Lake District.

Lancaster Castle und Lake District

„Ich hatte zu dieser Zeit nicht die geringste Absicht, jemals wieder eine Platte zu machen“, erinnert er sich bitter. Trotzdem verbringt er weitere sechs Monate mit dem Schreiben neuer Songs, denn....

1982 - IGNITION

Ignition 1982 Ignition2 1982

...das Schicksal ist der Meinung, es sei noch zu früh, um sich zur Ruhe zu setzen. Schon 1981 kehrt John Waite nach New York zurück, wo er ein kleines Apartment am Central Park West and 72nd Street bezieht, zufällig genau gegenüber, wo John Lennon erschossen wurde.

Er verschläft die Tage und verbringt die Nächte mit der Suche nach geeigneten Musikern. Und nach sich selbst. „Ich versuchte, herauszufinden, wer oder was ich eigentlich war“, erinnert sich John. „Es war wie: Würde der wahre John Waite bitte aufstehen!


Mit der Veröffentlichung seines ersten Solo Albums „Ignition“ findet die Suche schließlich ein vorläufiges Ende. „Ich brauchte ein Jahr zum Schreiben“, erinnert sich der Wahl-Amerikaner. Das Resultat, das im Juni 1982 erscheint, ist ein sauberes, glattes Album, produziert von Neil Geraldo, seines Zeichens Songwriter, Gitarrist und Ehemann von Pat Benatar.

Die Songs auf „Ignition“ weisen größtenteils autobiographische Züge auf, die vom Leben in New York City erzählen. „Es ist ein sehr ehrliches Album, denn es ist aus der Perspektive eines Fremden heraus entstanden, der in einer fremden Stadt lebt. Ich in New York. Zurück zu kommen auf die Straße in einer sehr undankbaren Art und Weise. Ich hatte fast nichts, als ich hierher kam. In der einen Hand die Telecaster, in der anderen eine Handvoll Gepäck. Ich hatte kaum zehn Dollar in der Tasche und ich lebte in einer ‚Schuh-Schachtel’. Aber es war trotzdem eine wunderbare Zeit. Ich war voller Energie und ich fühlte mich großartig. Alle Songs auf ‚Ignition’ waren New York gewidmet. Das Album hat einen enorm sentimentalen Eindruck auf mich.”

Eine wunderbare Platte, kraftvoll, leidenschaftlich und ehrlich. „Wir nahmen es in der ‚Powerstation’ auf”, begeistert sich John. „Ich hatte fabelhafte Musiker wie Frankie La Rocka, Tim Pierce, Ivan Kral. Patty Smyth lieferte erstklassige Backing Vocals. (Mit ihr und ihrer Band Scandal wird John später auf Tournee gehen.) Ein schönes Stück Musik und weit weg von dem, was die Leute erwartet hatten.“ (Randnotiz: John´s Bruder Joe klatscht zwischen all den Anderen auf „White Heat“ kräftig in die Hände.)
Leider reicht es nicht bis an die Spitze. Trotz der immensen Energie, die dieses Album ausstrahlt, erlangt „Ignition“ leider wenig Beachtung zu beiden Seiten des Atlantik und erreicht nur Platz 68 in den USA Album Charts. Die schwache Promotion, die Chrysalis „Ignition“ zukommen lässt, verärgert John. „Sie versuchten, mich zu bescheißen“, macht sich der eigenwillige Engländer Luft. „Aus meiner Sicht war ‚Ignition’ eine meiner besten Arbeiten und sie ignorierten es praktisch. Die Dinge entwickelten sich schlecht. Ich saß in New York mit einer Menge Ärger am Hals und ohne Vertrag. Letztendlich nahm ich den nächsten Flug nach Hause.“

Im Sommer 1983 kehrt John also erneut zurück nach England. Er bleibt dort für acht Monate und heiratet sein Mädchen in Kendal. Die junge Ehe ist jedoch zum Scheitern verurteilt und zerbricht nur wenige Jahre später. „Ich war dreißig, als wir heirateten, aber da war es bereits zu spät“, resümiert er später nachdenklich. „Wir hatten keine Chance.
Wir hatten uns bereits auseinander gelebt, aber wir wollten es nicht wahrhaben.“ Jede Bemühung, die Beziehung aufrecht zu erhalten, scheitert und die Distanz zwischen New York und England und die langen Trennungen tun ihr Übriges...

Doch der Reihe nach.
Zurück in Lake District hat John die Nase vorerst voll vom Musikgeschäft. „Ich war drauf und dran, alles hinzuschmeißen. Ich verschwand erst mal für eine Weile und verbrachte meine Zeit mit ganz simplen Dingen wie spazieren gehen, Holz hacken oder Gitarre spielen. Ich ging nicht mal ans Telefon. Ich denke, das hat mir ganz gut getan. Aber es war frustrierend, nicht ins Studio gehen zu können und ich war nahe dran, verrückt zu werden. Das Einzige, was ich tat, war, mir zwei Anwälte zu nehmen, um diesen ganzen Scheiß loszuwerden, der mich daran hinderte, Musik zu machen.“
Keine leichte Aufgabe, doch eine, die es ermöglicht, mit dem Label EMI weiterzumachen: „…und dann war ich froh, das alles endlich hinter mir zu haben und ich ging zurück nach New York, um an einem neuen Album zu arbeiten, nur um zu erfahren, dass mein Produzent über den Winter oder so, in den Süden gegangen ist und meine Band sich getrennt hat.“

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