1987 - JOHN WAITE SOLO - ROVER´S RETURN

Rovers Return 1987

John Waite ersetzt Sänger Lou Gramm bei Foreigner. Sagt man. Tatsächlich arbeitet er ein paar Wochen mit den Jungs, bleibt letztendlich aber solo. „Wir passten nicht zusammen“, sagt er später. Es scheint auch eher unvorstellbar, dass John - wenngleich hervorragende - Songs wie „Hot Blooded“ oder „Cold As Ice“ singt.

New York´s Right Track-Studios beginnt John 1986 mit den Aufnahmen für sein nächstes Album, das von Frank Fillipetti Co-produziert wird. John verbringt elf Monate im Studio und nimmt zweiundzwanzig Songs auf. Doch er ist unzufrieden mit dem Ergebnis. „Ich hasste es. Ich hab´s verschrottet und fing von vorne an. Es war zu sehr wie ein... viertes Album“, kommentiert er seine Entscheidung. „Wie bei vielen Bands, die sich immer wieder selbst kopieren und schließlich untergehen.“ Weder die Plattenfirma, noch sein Bankdirektor brechen in Begeisterungsstürme aus und John selbst wacht des Nachts schweißgebadet auf und fragt sich, ob er sie nicht alle einfach zufrieden stellen und irgendeinen Schmalz ausgraben sollte, damit die Konten ausgeglichen sind. „Das war wirklich übel“, sagt John. „Aber es war irgendwo auch aufregend, denn ich denke, wenn du mit so einer Situation konfrontiert wirst, spielst du, als ginge es um dein Leben. Ich glaube, ich arbeite am besten unter solch einem Druck“, sinniert er. „Tatsächlich war ich richtig gut drauf in der Mitte der Aufnahmen. Ziemlich riskant.“
„Encircled“ und „Wild One“ sind zwei der Songs, die übrig geblieben sind.

Im August ´87 erscheint dann endlich „Rover´s Return“. Ein wasserdichtes Rock Album durch und durch, benannt nach einem Pub aus der englischen Fernsehserie Coronation Street, welche zu John´s Favoriten zählt. Die Serie, nicht der Pub…

Zusammen mit einer Top Auswahl an Musikern („Die Besten in New York“) wird es einer seiner stärksten Aufnahmen, mit denen er besonders mit „These Times Are Hard For Lovers“ und dem unvergleichlichen „Act Of Love“ zu seinen englischen Rock´n Blues Wurzeln zurückkehrt. „Es ist genau das, was ich machen wollte, seit ich mit fünfzehn anfing, Musik zu machen. Ich denke, mit ‚Rover´s Return’ist mir das endlich gelungen“, sagt John zufrieden.

John Waite promotet seine neue Single „These Times Are Hard For Lovers“ in englischen TV Shows,  ein Video-Clip dazu erscheint. Der Song schafft es sogar bis nach Deutschland, wenn es auch nicht als Anschluss-Treffer für „Missing You“ reicht. Doch es macht klar, das John Waite noch am Leben ist. Jedoch scheitert die geplante Tour im Eröffnungsprogramm von Bryan Adams

Wiederholte, interne Veränderungen bei EMI sind schuld daran, dass auch diese Promotion kläglich versagt. „Als ich nach Deutschland abflog, um ‚Rover´s Return’ voranzutreiben, war ‚These Times Are Hard For Lovers’ an der Spitze der Radio Charts. Zwei Wochen später kehrte ich zurück und es war grade mal noch auf Platz 50. Wieder einmal hatte meine Plattenfirma Probleme, diesmal finanzieller Natur und aus EMI America wurde EMI Manhattan. So ging ein Album, in welches ich viel Arbeit investiert hatte, gnadenlos den Bach runter.“

John Waite scheint das Pech mit diesen Institutionen gepachtet zu haben... Frustriert zieht er sich wiederholt für einige Zeit aus dem Business zurück. Er besinnt sich auf sich selbst und das, was er eigentlich will. „Meine Moral war im Keller und ich verbrachte die meiste Zeit damit, fernzusehen, im Garten herumzulaufen und kistenweise Wein zu trinken.“
Stimmliche Probleme - eine Infektion an den Stimmbändern - machen ihm  zu allem Überfluss auch noch zu schaffen.

„Woman´s Touch“ erscheint auf dem Soundtrack zum ´87er Film Der Prinzipal (Photo unten) mit James Belushi, der einen renitenten und folglich strafversetzten Schuldirektor mimt. („Der Prinzipal – Einer gegen Alle“, deutscher Titel) „Interessante kleine Geschichte“, fällt John dazu später ein. „Als ich BAD ENGLISH verlassen hatte und nach Italien ging, kam ich eines Nachts aus einer Bar und der Nachtportier des Hotels hatte diesen kleinen Fernseher. Der Film fing gerade an, die Musik lief und ich sagte: ‚Das bin ich’. Er hat mir nicht geglaubt. Er hat mich wohl nicht verstanden.“

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