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CHALK FARM...
... ist der Name seiner ersten wirklichen Band, benannt nach dem Roundhouse von
London, einem Ringlokschuppen.
CHALK FARM
„Wir hatten
unseren ersten Auftritt am 12. März 1971 im Ballsaal des Royal King´s Arms
Hotels in Lancaster“,
erinnert sich Bruder Joe.
„John hatte es irgendwie geschafft, auf der Kunstakademie, wo er studierte, als der
Verantwortliche für Unterhaltung ernannt zu werden, nachdem er darauf
hingewiesen hatte, das es noch keinen gab. Er war der Meinung,
dass die Kunstakademie genauso ein Recht auf Rock - Konzerte hätte wie die hiesige
Universität.“
Cleverer Schachzug. „Das erste, was er in seiner neuen Rolle als Unterhaltungschef tat war, sich den Namen CHALK FARM auszudenken und CHALK FARM dann sofort für ihren ersten Auftritt - einem Frühlingstanz - zu
buchen. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Band gegründet, bestehend aus John,
mir und Derek Fitzpatrick, dem irischen Schlagzeuger meiner früheren Band Mind
Machine. Kurios, denn zu diesem Zeitpunkt besaß John noch nicht mal einen Verstärker.“
Während die Gründung der Band kaum
mehr als eine Stunde in Anspruch genommen hatte, werden nun in Windeseile die
nötigen Vorbereitungen getroffen.
Derek´s Bruder Gerald erklärt sich
bereit, als Roadie für die Anlage zu sorgen, mit Allen „Happy“ Harper produziert John Poster und Plakate. Ein weiterer Freund, David „Feggers“ Ferrington
macht ein paar Promotion Photos (eins davon oben) mit der von der Kunstschule geliehenen Kamera.
„Jetzt brauchten wir nur noch ein paar Stücke“, erinnert sich Joe.
Er und John entscheiden sich unter anderem für „Hey Joe“ und „Red House“ von
Jimi Hendrix, „I Hear You Calling“,
Ten Years After, „Night Life“ von
B.B. King, „Dust My Broom“ und „Mean
Mistreated Man“ von
Elmore James und John´s
Favorit „Fire and Water” von Free, den Joe bis dahin noch nicht kennt.
Er hat einige Schwierigkeiten, sich ein genaues Bild von dem Song zu machen, denn:
„Es ist schwer, eine angemessene
Vorstellung davon zu bekommen, wenn du es nur auf dem Bass
vorgespielt bekommst.“ Die Gebrüder Waite lösen jedoch
auch dieses Problem und der große Abend rückt näher.
Das King´s Arms (unten, neuere Aufnahme)
liegt im Zentrum der Stadt und als der Van mit der von
Mind Machine geliehenen Anlage am Bühneneingang des
Ballsaals vorfährt, bemerkt Joe die argwöhnischen Blicke einer Mitarbeiterin des
Hotel-Personals.
„Sie war groß und mager und wirkte wie eine alte Jungfer mit ihren langen Nase und
ihrem schwarzen Haar“, erzählt Joe. „Misstrauisch
verfolgte sie den Aufbau unserer Anlage. Nun mögen sich die Zeiten ändern, aber
nicht für das King´s Arms. Man spielt hier gewöhnlich bei Hochzeiten und
dergleichen. Das hier aber war etwas völlig Neues und der Umfang unseres Equipments bereitete ihr wohl ziemliches Unbehagen. Ihre ablehnende Haltung war nicht zu übersehen und
ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass es Ärger geben würde.“
Die Musikanlage wird aufgebaut. Joe Waite erinnert sich: „Als die ersten Studenten dann
eintrafen und der Saal sich langsam füllte, sah ich John tief in Gedanken
versunken ganz alleine herumsitzen und ich fragte mich, was in seinem Kopf
vorgeht. Er war immer so still und
schüchtern und an diesem Abend würde er als Frontmann einer Band sein Debut
geben. Mein kleiner Bruder würde als Sänger
und Bassist alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen! All das vor einer Menge
Studenten, seinen Kumpels und seinem Mädchen. Es würde eine wahre Feuertaufe
für meinen Bruder werden.“
Joe Waite eröffnet das Konzert mit
„Rock Me Baby“. Er singt die erste Nummer selbst, um die Band erst einmal
aufzuwärmen und John scheint nicht allzu beunruhigt. Die Reaktion des Publikums ist
eher zurückhaltend. „Keiner tanzte“, sagt Joe.
„Nicht, dass keiner den Anfang machen wollte. Es ist nur so, das die meisten
Leute ein paar Biere brauchen, um in Stimmung zukommen.“ Nachdem sie den Eröffnungssong
beendet haben, applaudiert das Publikum pflichtschuldig und alle Augen sind
erwartungsvoll auf John gerichtet. Joe zählt den nächsten Song an, „Dust My
Broom“ und im nächsten Moment ist der komplette Saal auf den Füßen. Jene, die
nicht tanzen, formieren sich vor der Bühne um John herum und lassen ihn nicht
mehr aus den Augen. Die Show verspricht ein voller Erfolg zu werden und
„Dust My Broom“ ist kaum verklungen, als der von Joe befürchtete Ärger in
Form der langnasigen Bardame an ihn herantritt. Joe verspricht ihr, die
Lautstärke etwas zu reduzieren. Es gelingt ihnen zumindest für den nächsten Song,
eine langsame Version von Jimi Hendrix´ „Red House“,
neben B. B. King´s „Night Life“ die einzige Blues - Nummer an diesem Abend.
Danach jedoch lebt CHALK FARM wieder
auf, was der Bardame sichtlich missfällt, denn beinahe nach jedem Song steht sie auf der Bühne,
um Joe nachdrücklich an sein Versprechen zu erinnern. Der kleine Bruder hingegen scheint sie schon lange
nicht mehr wahrzunehmen. „John war anfangs noch etwas
schüchtern“, erzählt Joe. „Aber im Laufe der Show wuchs sein Selbstvertrauen und
sein Gesang und sein Spiel gewannen an Kraft und Stärke.“ Nach der Pause geht es ungebremst weiter und es scheint
offensichtlich, dass CHALK FARM den Wünschen des Hotelmanagements nicht
gerecht werden kann. Mrs. Long-Nose beschwert sich weiterhin, Joe verspricht ihr weiterhin Milderung und John
setzt weiterhin unbeeindruckt die Show fort. CHALK FARM hat das Publikum erobert.
Ihr Auftritt nähert sich einem erfolgreichen Ende,
als die übelgelaunte Bardame - mittlerweile müde ob Joe´s leeren
Versprechungen - in Tränen aufgelöst ihren Job schmeißt und den Hotelmanager
hysterisch um
Aspirin bittet. „Irgendjemand hat dann die Polizei gerufen“, fährt Joe fort. „Sie
zogen den Stecker heraus und machten unmissverständlich klar, was passieren
würde, wenn das Kabel nicht dort bliebe, wo es jetzt war.“
Die Polizei verlässt den Saal unter den lauten Buh-Rufen der enttäuschten Studenten und Mrs. Long-Nose verschränkt
triumphierend lächelnd die Arme vor der Brust. Nun, spätestens jetzt hatte
jeder einen glücklichen Augenblick an diesem Abend...“,
scherzt Joe und abschließend fügt er hinzu: „Der Frühlingstanz mochte
zwar beendet sein, doch für John fing es gerade erst an...“
Herzlichen Dank, Joe Waite, für diesen wunderbaren Einblick!
„Ich war etwa
ein Jahr dabei“, erinnert sich John Waite. „Danach wechselte ich zu...
...GRAF SPEE
Keine der hiesigen Bands war wirklich gut“, gibt John zu. „Irgendwie haben wir uns gefunden und
trafen uns zu Jam Sessions.“
Drummer George Jackson, ein Freund von John´s Bruders Joe und ebenfalls Kunststudent in Lancaster, und Gitarrist
Chris Phillips aus Kendal / Lake District bilden GRAF SPEE, als John als Bassist und Sänger zu ihnen
stößt.
„Unsere Musik war vom Blues beeinflusst“, sagt er. „Humble Pie, Traffic, diese Richtung.
Zu dieser Zeit begann ich ernsthaft zu komponieren. 90 % der Songs waren unsere
Eigenen.“
GRAF SPEE haben Auftritte im Umkreis von fünfzig Meilen. John: „Ich erinnere mich sehr gut
an diese Zeit... on the road mit unserem Van und eisige Kälte am frühen
Morgen.
Wahnsinn. Ich bin froh, das alles hinter mir zu haben.“
Etwa ein Jahr später ist der schlaksige Brite um eine weitere,
musikalische Erfahrung reicher...
Nach seinem 4jährigen Kunststudium verlässt
John Waite seine Heimatstadt, als er
fälschlicherweise von der örtlichen Polizei eines Juwelenraubs beschuldigt wird.
Er geht nach London und erhält das Angebot, der dreiköpfigen |