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1995 - WIEDER SOLO - TEMPLE BAR
Die glückliche Fügung will es, dass John´s Nachbar in New York der Chef vom
Plattenlabel IMAGO und zudem ein guter, alter Bekannter ist -
Terry Ellis, einst Kopf von Chrysalis
zu BABYS - Zeiten und John´s erster Solo-LP „Ignition“.
Sie treffen sich in Terry´s Haus, plaudern, trinken ein Glas Wein zusammen und John kehrt
schließlich mit einem Plattenvertrag in der Tasche zurück.
In drei Studios in Manhattan nimmt John Waite seine neue Platte auf.
„Es war nicht einfach, eine Plattenfirma zu finden, die an mich glaubte“, gibt er zu. „Wenn du
nicht ´ne Million Dollar für sie
machst und nicht tust, was sie von dir erwarten - was, zur Hölle, bist du für
sie? Terry stand
hinter mir in allem, was ich tat. Er gab mir die Freiheit, die ich brauchte, um
diese Platte zu machen. Ich bin ihm
sehr dankbar für alles.“
Am Valentinstag 1995 erscheint das hörenswerte Ergebnis:
„Temple Bar“ erweist sich als nichts Geringeres als ein kleines Meisterwerk.
Darauf enthalten sind neben sieben neuen Songs drei Cover-Versionen: „Someone Like You“ -
Van Morrison, „I´m So Lonesome I Could Cry“ -
Hank Williams und
Bill Withers´ „Ain´t No Sunshine“.
Allein John´s Version von „I´m So Lonesome I Could Cry“ beweist, dass seine Stimme kaum eine musikalische
Korrektur nötig hat. Dobro, ein relativ unbekanntes
Instrument verleiht dem Song - neben John´s bemerkenswerter, stimmlicher Brillanz -das besondere Etwas.
„In Dreams“ tauchte schon beim Soundtrack zu
True Romance auf und war ´93 als Single
veröffentlicht worden.
Der Start dieses
lupenreinen Albums lässt keine Wünsche offen und John Waite bekommt - nach eigenen
Worten - die bis dahin besten Kritiken seiner Karriere.
„Temple Bar“ ist dabei, sich seinen Weg in die Charts zu bahnen,
als das scheinbar Unvermeidliche passiert - IMAGO
verliert die Lizenz und John dieses Album... Eine weitere
Promotion für „Temple Bar“ wird somit unmöglich. „Es war bizarr. Du stehst daneben und kannst
nichts tun“, sagt er. „Gerade noch hatte ich einen Hit und im nächsten Moment
geht 'Temple Bar' den Bach runter. Es war hart, das mit ansehen zu müssen. Aber - hey! Ich hab´s überlebt und letztendlich war es eine verdammt gute Platte.“ Auf die
Frage, welche Phase schwerer zu tragen war, die Zeit nach BAD ENGLISH oder der
Zusammenbruch von IMAGO und die Zeit danach, sagt John: „Das war wirklich interessant. Es waren die zwei Jahre (nach Es war aber nicht schwer, zurückzukommen, denn ich schreibe immer, aber ich wartete auf etwas Ehrliches. Ich meine, die Idee für 'Temple Bar' war eine sehr subtile. Ich wollte nicht einen Haufen kommerzieller Rock Songs ausgraben, zu denen du deinen Hintern schwingst und ein bisschen auf und ab springst. Die Songs auf 'Temple Bar' entstanden alle in kleinen Räumen, nicht im Studio oder so. Sie entstanden in Räumen, in denen du schläfst. Deshalb klingen sie so vertraut. 'Temple Bar' war eine sehr erwachsene Platte.“ Eine Menge Leute waren überrascht über diesen erwachsenen John Waite und Andrew McNeice bemerkt ihm gegenüber: „Ich musste ‚Temple Bar’ ein paar Mal hören und erst war es wie: Wow - was ist das? Aber nach ein paar Mal hören gefiel mir die Platte immer besser und jetzt liebe ich sie.“
Zusammen mit Glen Burtnik
(Ex-Styx, Photo unten), Co-Autor des wunderbaren
Downtown veranstaltet John
ein paar zwanglose Akustik-Gigs mal hier mal da.
„Wir gingen einfach raus und spielten für die Leute. Ich wollte etwas tun, das absolut nichts mit dem
Business zu tun hat. Einfach nur rausgehen und für jeden spielen, der
zuhören will. Ohne eine Fassade aufsetzen zu müssen, ohne dem
ganzen Drumherum, das zwangsweise dazukommt, wenn du auf Tournee gehst.
In diesem Punkt interessierte mich einfach nur die Musik. Es war eine großartige
Zeit und es waren einige denkwürdige Momente darunter.
Ich würde töten für eine Aufnahme davon!“ In Fan-Kreisen ist die Rede über eine gewünschte Mitwirkung bei VH1 Story Tellers, doch alle Bemühungen bleiben (bisher) erfolglos. Auch MTV zeigt sich nicht an John und einem „Unplugged“ interessiert. „Es scheint, als sei ich ein gut gehütetes Geheimnis“, lacht John. „Ich habe alle paar Jahre einen Hit (leider nur in den USA, Anmerkung Petra) das Publikum umarmt mich und es scheint, als sei ich zurück, aber dann verschwinde ich wieder. Wer weiß, vielleicht mache ich irgendwann ein Akustik-Album und nehme ein paar meiner alten Songs dazu her. Das wäre eine interessante Sache.“ Zumindest eine ähnliche Idee wird zwei Jahre später Wirklichkeit... Photo Credit Mark Sullivan |