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1997 - WIEDER SOLO - WHEN YOU WERE MINE
John kommt bei Mercury unter und in der ersten Jahreshälfte nimmt er in New York sein
nächstes Solo Album auf, auf dem er mit denselben Musikern zusammenarbeitet, wie
auf „Temple Bar“. Wieder produziert er selbst. Die Inspiration zu „When You Were Mine“ kommt John während einer ausgedehnten Jeep-Tour durch die USA. Geschrieben und aufgenommen dagegen war es innerhalb von vier Wochen. „Nachdem ich ‚Temple Bar’ verloren hatte, sprang ich in den Jeep und fuhr quer durch Amerika. In meinem Kopf habe ich stets Ideen für neue Songs und ich hatte die Musik von Bob Dylan und Hank Williams. Irgendwann kam ich schließlich nach New Orleans. Auf dem Weg dorthin formte sich langsam die Idee zu einer Art Country-Album.“
Und Bob Dylan ging ihm wohl nicht mehr aus dem Kopf, denn das Album enthält
neben den zehn übrigen Tracks wieder eine Cover-Version: „Just
Like a Woman“, ein Dylan-Song, was John als große Herausforderung beschreibt.
„Er ist brillant“, schwärmt John. „‚Blonde on Blonde’ ist eines meiner Lieblings-Alben und als wir
anfingen, an Wobei die Überleitung zu Vince Gill´s (Photo unten) „Whenever You Come Around“ nicht schwer fällt. Es ist schuld an der Entstehung von „Imaginary Girl“ und trägt erheblich zur Schöpfung zweier weiterer atemberaubender Musikstücke bei. „Whenever You Come Around“ - Als John es zum ersten Mal hört, steht für ihn fest, dass er mit Pete Wasner, dem Co-Autor dieses wunderbaren Country-Songs zusammenarbeiten möchte. John arrangiert ein Treffen und wenig später entstehen in einem Zeitraum von nur dreieinhalb Stunden „Imaginary Girl“ und ein weiteres Glanzstück an Vollkommenheit: „Masterpiece of Loneliness“. Beide sind für das Album „When You Were Mine“ eingeplant, doch nur eines davon macht das Rennen: „Imaginary Girl“ „Es war einer jener unerklärlichen Momente, wo es einfach passte“, beschreibt John die Arbeit mit Pete Wasner. „Es funktioniert nicht mit jedem und es funktioniert nicht immer. Aber wenn es funktioniert, ist es magisch.“ Auch dem sehnsuchtsvollen „Whenever You Come Around“ wird John seinen eigenen Stempel aufdrücken und er singt es mit einer solchen Hingabe, dass der Eindruck entsteht, er verarbeite eigene Erfahrungen. Zusammen mit „Masterpiece of Loneliness“ wird es aber erst vier Jahre später erscheinen. Photo Courtesy of Evelyn Whiteley „Suicide Life“ erzählt eine traurigere Geschichte. Die Idee dazu kommt John durch ein Erlebnis, das bereits 1977 seinen Anfang genommen hat. „Da gibt es einen Typ in L.A. Ich habe ihn zum ersten Mal gesehen, als ich mit den BABYS hier ankam“, erinnert er sich. „Er mochte etwa 30 sein, vielleicht auch jünger und er hatte einen langen Bart und struppige Haare. Er lebte auf der Straße, hatte keine Schuhe und trug alte, zerschlissene Klamotten und es regnete in Strömen. Er war nicht verrückt, vielleicht schizophren oder sowas. Er lebte in seiner eigenen Welt. Wann immer ich nach L.A. zurückkam im Laufe der letzten zwanzig Jahre - er war da. Wirklich! Seine Geschichte muss unglaublich sein.“ „...Und du beginnst, dich zu fragen, wo diese Menschen leben, wie sie überleben und was passiert ist, dass sie so abstürzen konnten. Vieles davon hat mit Drogen zu tun und vieles wird einfach nur versaut. ‚Suicide Life’ handelt von Menschen, die auf diesen Trip gingen und nie wieder zurückkamen.“ Der Titelsong „When You Were Mine“ ruft alte Erinnerungen wach, beschreibt Johns Leben in England. „Tatsächlich ist es ein Blick über die Schulter auf meine Heimatstadt in England“, sagt er. „Da gibt es einen besonderen Ort, der aussieht wie… der friedlichste Ort von England. Und es erinnert mich jedes Mal an die Zeit, als ich siebzehn und verliebt war.“ „Ich wollte einen klaren Sound“, erklärt John, warum das Album „When You Were Mine“ so klingt, wie es klingt. „Keine Effekte. Alle Vocals kommen sehr trocken und sehr echt rüber. Es interessiert mich nicht, wie ich nach der Auffassung von irgendjemand klingen sollte. Ich wollte die Mängel in meiner Stimme genau da haben, wo sie sind. Es ist ein Teil von mir. Es gehört zum Ausdruck eines Sängers. Singen bedeutet, glaubwürdig zu sein. Auf diesem Album wollte ich die ungeschminkte Wahrheit.“ Über die ungewohnten Country - Einflüsse sagt er: „Ich versuchte, in einen anderen Bereich zu gehen, weg von rockigen Elementen, wie feurigen Gitarrensoli und diesem Hintergrund. Ich wollte die Aufmerksamkeit auf die Songs selbst lenken, sie für sich selbst sprechen lassen, ohne unnötig abzulenken. Ich habe beinahe mein ganzes Leben lang Rock-Musik und Balladen gemacht. Wenn so etwas funktioniert, tendieren viele Bands dahin, sich zu wiederholen und hoffen, erfolgreich zu bleiben. Ich denke, ich schulde dem Publikum etwas Anderes.“ Mr. Waite bringt es auf einen Nenner: „ ‚When You Were Mine’ erzählt von Rückblenden, wie auch die Charaktere in ‚Suicide Life’ oder ‚Bluebird Cafe’. Oder eben ‚When You Were Mine.’ Es ist ein amerikanisches Album aus der Sicht eines Engländers.“
Die Album Release Party findet am 30. September 1997 an einem recht ungewöhnlichen Ort
statt: In einer winzig kleinen Bar in einer New Yorker U-Bahnstation, der
Siberia Bar.
Vielmehr steht die Band auf den Stufen, die zur Eine kurze
Promotion Tour durch die USA folgt in der zweiten Hälfte ´97 und John macht zusammen mit Im gleichen Monat kehrt John Waite New York den Rücken. Beinahe achtzehn Jahre lang ist es seine Wahlheimatstadt gewesen. Jetzt zieht John nach Santa Monica um. Er liebt Los Angeles nicht wirklich, doch ist es einfacher, von dort aus zu arbeiten. „Ich passe absolut nicht in diese Stadt“, gibt er zu. „Ich liebe die Jahreszeiten. Den Wind, die Kälte und auch den Regen. Ich würde nicht zögern, zurück nach England zu gehen, wenn sich meine Musik dort besser verkaufen würde. Aber wenigstens liegt Los Angeles am Wasser, das ist okay.“ Doch, wie so
oft, wenn die Prognosen für John gut ausfallen, wendet sich das Blatt gegen ihn und es mutet schon
beinahe unheimlich an - „When You Were Mine“ stürzt ab.
Wieder versäumt man es, dieses fabelhafte Album voranzutreiben. Es gibt kein
Video, keine Single-Veröffentlichung und viele
Fans in Europa wissen nicht einmal, dass John Waite noch existiert. Die, die ihm
treu geblieben sind und dank Internet die
Möglichkeit haben, den Verlauf seiner Karriere mitzuverfolgen, sind - wie auch schon bei
„Temple Bar“ - gezwungen, die CD auf Import Basis kaufen. Zwischen den letzten beiden Alben besteht eine gewisse Verbindung und John zieht Bilanz: „‚Temple Bar’ beschreibt eine Art Neuanfang; den Weg, älter zu werden und zu versuchen, mit den Geistern der Vergangenheit zu leben und all den verschiedenen Entwicklungsstufen, die ich durchgemacht habe - in New York City zu leben, meine Scheidung und den Versuch, mein Leben wieder in den Griff zu kriegen. ‚When You Were Mine’ beschreibt eher die Ankunft von all dem und die Fortsetzung meines Lebens. Es hat wohl auch autobiographische Züge, aber ich habe versucht, ein wenig auf Distanz vor mir selbst zu gehen und andere Menschen zu beschreiben, denn mittlerweile habe ich mich gefunden. ‚Temple Bar’ dagegen ist sehr ich selbst.
Mit diesen beiden Alben habe ich am meisten von mir preisgegeben. Wenn du fähig bist, es
auf eine Art zu sagen, die nicht
so sehr enthüllt, dass es peinlich wird, dann ist das Kunst. Ich denke, mit
diesen beiden Platten habe ich wirklich den Kern getroffen.“ Ganz
unbemerkt und im Stillen gibt es auch wieder Meldungen aus der Film-Branche. Im Mai 1998 wechselt John in beiderseitigem Einvernehmen mit Mercury Records das Management In der zweiten Hälfte desselben Jahres durchquert er zwecks einer weiteren Tournee recht erfolgreich die USA.
„Falling Backwards Volume 2“ soll später im selben Jahr bei EMI veröffentlicht werden. 25 |