1980 - THE BABYS - UNION JACKS

Union Jacks 1980

Die nunmehr fünfköpfige Band verlässt ihren soliden 70er Jahre Rock (Leider...) und schlägt neue Wege ein.
„Union Jacks“, von Keith Olsen produziert, wird im Januar 1980 veröffentlicht und mit „Midnight Rendezvous“ und „Back On My Feet Again“ können die BABYS wieder internationale Bestseller landen. „Es war großartig, mit Keith zu arbeiten“, sagt John. „Er war der erste Produzent, der sich nicht einmischte, was den Sound betraf. Er ließ uns wirklich so klingen, wie wir schon seit Jahren auf der Bühne klingen wollten.“

„Back On My Feet again“:
„Interessante Geschichte“, enthüllt John rückblickend. „Die Plattenfirma gab uns einen Song, ‚Yesterday´s Heroes’. Sie meinten: ‚Hey, das ist ein Volltreffer, also macht mal.’ Und um die Wahrheit zu sagen, wir wollten diesen Song nicht. Ich meine, wir kämpften um Glaubwürdigkeit und das letzte, was wir wollten, war wie Helden von gestern zu klingen! Sie haben es nicht verstanden. Wir machten es also widerwillig. Ich habe nicht einmal mitgesungen. Ich meine, ich konnte das nicht singen, ich wollte davon nichts wissen. Aber der Song war so gut wie durch und eines Morgens, gegen Ende der Aufnahmen, schrieb ich den Text um. Ich fuhr direkt ins Studio und heraus kam ein komplett umgearbeiteter Song. Ich habe keine Ahnung, was die Plattenfirma darüber dachte und es war mir auch scheißegal. Ich meine, es war ein Song über die BABYS, die einen Musiker verloren haben, die fähig waren, trotz aller Schwierigkeiten zu überleben, raus zu gehen, zu spielen und immer noch stark genug waren, eine wirklich gute Platte herauszubringen. ‚Back On My Feet again’ - Für mich ist das eine Aussage.
So etwas wie ‚Yesterday´s Heroes’ hätten die BABYS nie geschrieben. Ich denke, die Plattenfirma war ziemlich sauer, dass wir nicht getan haben, was sie von uns verlangten, aber immerhin wurde es zusammen mit ‚Midnight Rendezvous’ ein Riesenhit in Amerika.“

„Midnight Rendezvous“, später in den Film Up the Academy übernommen, war mit Jonathan aus einer Jam-Session heraus entstanden, wie auch „Anytime“. „Viele unserer Songs sind so entstanden“, bekundet John.

In „True Love, True Confession“ glauben einige findige Hörer, einen Link zu John Waite´s angeblicher Affäre, die er mit der schwedischen Schauspielerin und langjährige Lebensabschnittsgefährtin von Rod Stewart, Britt Ekland gehabt haben soll, herauszuhören. Man glaubt, John verarbeite darin ein paar unangenehme Nachwirkungen. Weder dementiert John das Gemunkel als Hirngespinst, noch bestätigt er es als Wahrheit. Alles, was er dazu zu sagen hat ist, den Namen der in „True Love, True Confession“ beschriebenen Person zu nennen, bedeute, sich auf ihr Niveau herabzulassen...

Mit „Turn Around in Tokyo“ gibt Jonathan Cain seinen Beitrag als Sänger. Dass er durchaus auch als Songwriter taugt, hat er mittlerweile bewiesen.

„Union Jacks“ gilt als das am meisten anerkannte und vollkommenste Werk der BABYS. Beinahe schon eine Rock-Oper erzählen die Songs in leidenschaftlichen Lettern von Rebellion, Entfremdung und Erlösung. Zudem besticht es durch neue, ungewohnte Sounds und hintergründige Aussagen, die dieses Album vermutlich gerade deshalb so interessant machen. Sozialkritische Themen, wie auch die Suche nach Wahrheit, in welcher Form auch immer, stimmen nachdenklich und bringen die BABYS auf ein höheres Level. Jedoch muss die Band sich auch Kritik gefallen lassen. So fragt sich zum Beispiel ein... Musik-Kritiker, was denn ein Titel wie „Jesus, Are You There?“ auf dem Album zu suchen hätte. Die BABYS können auch damit leben.

„Ich denke, wir haben ein paar grundlegende Dinge aufgegriffen, die ‚Union Jacks’ zu etwas Besonderem machte“, resümiert John. „Wir hatten etwas ganz besonderes zu dieser Zeit. Es war magisch. Für mich war es wie ein Schlachtruf über den Atlantik: ‚Hey! Ich bin immer noch hier! Ich bin immer noch English... immer noch Britisch! Vergesst das nicht!’
Der Titelsong entstand mehr oder weniger zufällig eines Morgens, als ich anfing, auf dieses Tape zu singen. Ich hatte nie den Gedanken, eine Rock-Oper oder so was zu schreiben.“
Die Musik auf „Union Jacks“ als Solche hat nichts mehr mit den alten BABYS gemein. Trotz der fortwährend präsenten Keyboards klingt es insgesamt rockiger und verwegener als ihre Vorgänger.
Die BABYS haben endgültig ihre Unschuld verloren.

8

Inhalt   Zurück   Weiter   Home