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John Waite Live in
Zoetermeer/Holland, Boerderij
Licht aus, John Waite kommt!
Er fesselt das Publikum augenblicklich und meine
Erschöpfung ist Geschichte. Mit voller Wucht schleudert er uns "Change"
entgegen, ohne Pause dicht gefolgt von "Back On My Feet Again", einem rockigen "Keys
To Your Heart", John lässt uns kaum Zeit zum Luft holen. Wow! Charisma hat er ja. Hatte er schon immer...
Stimme auch. Die Ausstrahlung verfehlte auch bei den männlichen Fans die Wirkung
nicht, die Stimme jedoch tat ihr bestes, um mitzuhalten, denn leider war der
Sound keinen Deut besser als bei den Anheizern. Enttäuschend. John brüllte sich die Seele aus
dem Leib - vergeblich. Die Band übertönte ihn und nach dem dritten (?) Song, und
ein paar bedeutungsschwangeren Blickwechseln mit dem Soundmixer auf der rechten
Seite der Bühne schien
es offensichtlich, dass das Problem nicht gelöst werden konnte. Ich hatte den
Eindruck, als verliere der agile Brite etwas an Schwung. Was nicht bedeutet, dass
er lustlos sein Set herunterleierte, keinesweg! Seine Show war eher einer
Explosion gleichzusetzen, vor der es in Deckung zu gehen galt, und das im wörtlichen Sinne.
Mal sah ich seinen Fuß schon in meinem Gesicht, ein anderes Mal flog der Mikrofonständer so dicht über mein
Haupt hinweg, dass ich nur mit knapper Not entkommen konnte, aber das geht in
Ordnung, wirklich! Nach 5jähriger Wartezeit hätte
ich auch ein Veilchen verkraftet, ich meine - wer kann schon von sich behaupten,
durch John Waite k.o. gegangen zu sein? *grins* Spaß beiseite, neben meinen unbedeutenden Problemchen
da unten kämpfte der Meister da oben mit dem Mikrofonkabel,
welches sich mehrere Male hinter dem Ventilator verfing, der ihm, zu seinen Füßen stehend Frischluft
verschaffte, (Menno neben mir erwies sich als Helfer in der Not, indem er es immer wieder zurückwarf, was John mit
einem dankbaren Nicken und seinem unwiderstehlichen Lächeln quittierte) und -
natürlich - dem Sound. Zwar ließ Mr. Waite sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen, doch
kam er nicht umhin, seinem Frust
auf sympathische Art und Weise wenigstens ein bisschen Luft zu machen, indem er
sich Anthony Krizan´s Mikrofon schnappte,
ein paar Zeilen hinein sang und so das technische Versagen demonstrierte, denn Anthony´s
Mikro funktionierte so gut wie überhaupt nicht. "Imaginary Girl"
war denn wohl auch das Paradebeispiel schlechthin, wie es nicht klingen
soll, denn es entpuppte sich als eine üble Attacke auf meine Ohren. Genau
genommen erkannte ich es nicht wirklich...
"Missing You" wurde überraschenderweise nicht mit
dem üblichen, frenetischen Beifall quittiert, wie ich es erwartet hätte,
wohingegen "Hard Way" beinahe mehr Zuspruch fand, oder bilde ich mir
das jetzt nur ein? Anyway, bei "Midnight Rendezvous" tobte der Saal (was mir
immer noch ein Rätsel ist, aber das steht auf einem anderen Blatt, nicht wahr,
Paul? ;-), doch mein ganz persönlicher Höhepunkt des Konzert´s war "Rock´n
Roll". John hatte diesen Song schon am Vortag beim Arrow Rock zum Besten
gegeben, und Menno hatte am Nachmittag geäußert, er habe John diesen
Song noch nie singen hören, also fragten wir uns, ob es wohl The Babys´ "Rock´n Roll is Alive and Well"
gewesen sein könnte, was mich ziemlich überrascht hätte, da ich mich nicht erinnern
konnte, wann John diesen Song in seiner Solo Laufbahn je live gespielt hätte. Er
gehört auch nicht unbedingt zu meinen Babys Favoriten, und das Album, auf dem er
sich befindet, schon gar nicht. ("On The Edge") Bei John Waite weiß man jedoch
nie, was einen erwartet, und auch wenn ich den Song nicht mag, ich mochte die
Idee. Warum wir nicht einfach Paul gefragt haben? Nächste Frage bitte...
Dann die Überraschung - "Rock´n Roll" entpuppte sich als Led
Zeppelin Klassiker! Wow! Trotz des Sound-Defizits erzielte John mit seiner
Version einen unglaublichen Effekt, und hätte wirklich alles gepasst, er hätte
Robert Plant an diesem Abend ziemlich
blass aussehen lassen. Das ist kein Sakrileg, Leute, sondern eine verdammte
Tatsache! Ich hätte zu gerne die Arrow Rock Version davon gehört...
John Waite tat sein Möglichstes, um das Defizit
auszugleichen, was ihm meiner Auffassung nach auch recht gut gelungen ist, denn
mochte es die Anhängerschaft verstimmt haben, John fegte ihren Ärger mit
Leichtigkeit beiseite. Auf der Bühne - und das muss man neidlos anerkennen -
macht dem Rotschopf aus Lancaster so leicht keiner was vor. Apropos Lancaster,
hinter mir stand eine Gruppe männlicher Fans, die John lautstark anfeuerte. Ich
glaube, es war Wouter, der mich darüber informierte, dass diese Jungs extra aus
Lancaster heruntergekommen waren, um John Waite live in Holland zu sehen. Nach
einem kurzen Schwatz zwischen zwei Songs bestätigten sie mir das auch. Leider
konnte ich John´s Kommentar auf einen ihrer zahlreichen Zwischenrufe nicht
verstehen...
Fazit
John Waite live zu sehen ist eine Chance, die jeder
Musikfreak mindestens einmal im Leben wahrgenommen haben sollte, denn dieser Engländer schafft es scheinbar mühelos
(und bei Versagen der Anlage mit Galgenhumor...), allein durch seine
energiegeladene Show zu überzeugen. So mancher Fan war sauer, dass er die "We want more" Rufe ignorierte, die selbst dann nicht verstummten, als die Anlage
bereits abgebaut wurde. Auf der Setlist stand schließlich noch "Girl From The
North Country", so hätte es ja vielleicht eine Akustik-Einlage sein können -
John Waite allein mit seiner Gitarre auf der Bühne. Tolle Vorstellung! Leider
blieb der Wunsch Vater des Gedanken, und auch die Tatsache, dass man den
schlaksigen Briten
hierzulande so selten zu sehen bekommt, konnte ihn nicht umstimmen. Einerseits
also berechtigter Ärger bei den Fans, andererseits, als solcher muss man einfach
wissen, wie wichtig Mr. Waite der hohe musikalische Standard ist, und ihm
demzufolge ein wenig Verständnis entgegenbringen. Was man als Fan aber auch
wissen sollte ist, dass er nach einem Gig oft noch zu
einem kurzen Schwatz erscheint... Und so wurden jene, die lange genug
ausharrten, dann doch noch mit einer ganz besonderen Zugabe belohnt...
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